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Militärische Einrichtungen

Die Beller Flugwache auf dem Wasserturm war bis etwa 1943/44 mit älteren Männern aus Bell, die nicht sofort zum Fronteinsatz kamen, besetzt. Sie trugen Uniformen, wurden später z.T. aus Altersgründen entlassen, aber andere kamen zum Kriegseinsatz an verschiedenen Fronten und sind z.T. dort noch gefallen (Fritz Dietrich - Recherhäse - z.B. im März 1945 am Rhein, ganz in der Nähe seiner Heimat) oder in Kriegsgefangenschaft geraten. Gegen Ende des Krieges taten dort fast ausschließlich fremde Soldaten Dienst. Von der Flugwache aus wurde jede Flugbewegung feindlicher Flieger, woher sie kamen und in welche Richtung sie flogen, die Stärke der Verbände und die Typenbezeichnung der Maschinen gemeldet.

Eine Geschütz-Station, von der aus Leuchtmunition zur Irreführung von feindlichen Bomberverbänden abgeschossen wurde, war von 1943 - 44 an der alten Hasselbacher Straße zwischen Bahnhof und Forsthaus installiert. Die ganaue Bezeichnung der Einrichtung ist nicht bekannt, sie wurde von den Bellern „Eerweskanon“ genannt, wohl wegen der kugelartigen Leuchtgeschosse, die sich am Himmel zu „Christbäumen“ entfalteten. Das Geschütz war von Tarnmatten umgeben und soll in einem Fall Erfolg gehabt haben, indem die Bomber ihre zerstörerische Last nicht auf die Großstädte im Rhein-Main-Gebiet sondern wie beabsichtigt auf unbewohntes Gelände abwarfen. Der Verantwortliche, ein Feldwebel aus dem Hunsrück, hatte zeitweise sein Kosthaus in Bell.

Auf dem Gelände hinter dem Beller Forsthaus wurde in den Baubarracken des geplanten Flugplatzes ein Lager eingerichtet, in dem eine Genesungskompanie stationiert war. Frauen aus Bell arbeiteten in der Lagerküche. Im Jahr 1944 waren dort italienische Soldaten einquartiert, die in diesem Jahr in der Kartoffelernte bei den Beller Bauern zum Einsatz kamen. Das Lager wurde von Bomben zerstört. Bei dem Angriff kamen jedoch keine Menschen zu Schaden.

Im Dorf selbst war in den letzten Wochen vor der amerikanischen Besetzung eine Instandhaltungs- und Wartungseinheit stationiert. An der Raiffeisenscheune und im Hufeld wurden Militärfahrzeuge repariert und gewartet. Eigentlich sollte die Raiffeisenscheune, in der der Kartoffeldämpfer aufbewahrt wurde, auch als Werkstatt benutzt werden. Der Ortsvorsteher weigerte sich jedoch, den Dämpfer im offenen Gelände abzustellen, weil das mächtige Rauchabzugsrohr von feindlichen Aufklärungsflugzeugen mit einem Kanonenrohr verwechselt werden könnte. Der Dämpfer blieb in der Scheune. Auf Näimanns Hof, unter dem mächtigen Nußbaum war eine Feldbäckerei eingerichtet, die die Soldaten mit Brot versorgte. Auf Bouerams Ställchen, das in friedlichen Zeiten den Jugendlichen als „Bud“ gedient hatte, gab es eine Fernmeldezentrale. Dicke Kabelstränge führten nach Krastel, wo ein General seinen Befehlsstand hatte.