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De Unkelverein

„Unkelverein Zick-Zack Bell“ so der genaue Name des Beller Junggesellenvereins, der in den zwanziger Jahren gegründet wurde, er war für die unverheirateten jungen Männer - wie der Name schon sagt - der gesellige Treffpunkt des Dorfes. Die Mitglieder nahmen ihren Verein sehr ernst. Sie hatten ihn amtlich eintragen lassen, sich eine Satzung gegeben und besaßen als Wahrzeichen die „Krumm Brubbel“. Jeder der als Mitglied aufgenommen werden wollte, mußte seinen Treue-Eid - der Ehelosigkeit - auf die Krumm Brubbel ablegen. Sie wurde in einer Lade, einer Holzkiste, im Vereinsheim an Geezepeerersch aufbewahrt. Das Motto des Vereins lautete: „Im Zick-Zack führt die Lebensbahn den Unkel an die Tante ran“. Dieses Motto bedeutete dann irgendwann auch das natürliche Aus für den Verein. Alle Unkeler - bis auf einen, Ansepeerersch Fritz - hatten ihre „Tante“ gefunden. Junge Mitglieder gab es nicht mehr, als Anfang der dreißiger Jahre die Jugendorganisationen der NSDAP alle Jugendlichen freiwillig oder unfreiwillig aufnahmen.

Über das Vereinsleben ist fast nichts mehr bekannt, weil alle Unkeler inzwischen verstorben sind und es keine verwertbaren Aufzeichnungen gibt. Einige wenige Erinnerungen:

Es gab eine hierarchische Ordnung im Verein. Die Senioren, die „Groß-Unkeler“ genossen gewisse Privilegien. Im Vereinsraum hatte jeder von ihnen seinen ledernen Ohrensessel in einem Kreis um ein von der Decke herabhängendes Wagenrad stehen. Bei ihrem Eintreffen wurden die Groß-Unkeler von dem Diensthabenden der Jung-Unkeler zu ihrem Sessel geleitet und bekamen ihre Beine in Schlaufen, die an dem Wagenrad befestigt waren, eingehängt. Der diensthabende Junge mußte dafür sorgen, daß die Bierkrüge gefüllt waren und die Pfeifen angezündet wurden. Es gab auch eine Vereins-Kapelle, weniger zur musikalischen Unterhaltung als zum Krachmachen. Die Instrumente - meist selbstgebaut - bestanden z.B. aus einem Schellenbaum mit Konservendosen behängt, Waschbrettern und sonstigen Utensilien. Während der französischen Besatzung nach dem 1. Weltkrieg sorgte die Band für Verwirrung bei der Wachtruppe. Plötzlich tauchten die Musikanten in den Sperrstunden irgendwo auf, machten einen Höllenlärm und waren dank ihrer ausgezeichneten Ortskenntnis längst schon am anderen Ende des Dorfes, ehe die Soldaten sie erwischen konnten. So ging das Spiel einen ganzen Abend lang. Auf die Kirmes der Nachbardörfer kam der Unkelverein stets geschlossen - mit Kapelle - versteht sich. Und stets bekamen sie einen Extratanz. Über das Theaterspielen ist an anderer Stelle schon berichtet.

Eine Frau spielte in der Geschichte des Unkelvereins eine besondere Rolle: Äire Emma-Got, wie sie vom ganzen Dorf genannt wurde, war zur „Erztante“ des Vereins gekürt worden, und die blieb sie ihr Leben lang.

Heiratete ein Unkel, so mußte er eine gehörige Strafe an den Verein zahlen und konnte fortan nicht mehr Mitglied sein.